HR-Blog

Recruiting 2020
Trend 1: Digitalisierung

Virtuelles Bewerbungsgespräch

Recruiting wird zunehmend digital

Die erste Hälfte des Jahres 2020 ist vergangen und das Jahr verlief mit Sicherheit anders als es jede Trendanalyse, jeder HRler und jeder Bewerber vorhergesagt hätte. Nach Monaten des (Corona-bedingten) Stillstands läuft jetzt die Recruitingmaschinerie wieder an, Unternehmen sind wieder auf der Suche nach geeigneten Kandidaten. Firmen, die es nicht so stark gebeutelt hat, oder diejenigen, die von der pandemiegetriebenen Digitalisierungswelle profitieren, nutzen jetzt die Gelegenheit, auf dem etwas abgekühlten Arbeitsmarkt Talente und passende Bewerber zu finden.

Vier Trends im Recruiting, die sich bereits 2019 angedeutet haben, treten derzeit verstärkt in Erscheinung und werden die Personalauswahl in den kommenden Monaten und vielleicht Jahren maßgeblich beeinflussen:

  1. Digitalisierung
  2. Green Recruiting
  3. Mobile Recruiting
  4. Candidate Centricity

Heute widmen wir uns dem ersten Trend und werfen einen Blick auf die Digitalisierung.

Warum Digitalisierung im Recruiting?

Die Digitalisierung hat in allen Unternehmen, und dort insbesondere auch in den Personalabteilungen, Einzug gehalten. Unternehmensweit werden Dokumente und Prozesse digitalisiert, automatisiert und standardisiert. Welchen Erfolg erhoffen sich aber Recruiter konkret von einer weiteren Digitalisierung?

  • Schneller: Unter den Top-1.000-Unternehmen sowie den IT-Unternehmen sind acht von zehn der Meinung, dass durch die Digitalisierung des Bewerbungsprozesses offene Stellen schneller besetzt werden können (vgl. Abbildung 1).
  • Passgenauer: Mehr als die Hälfte der Top-1.000-Unternehmen glaubt, dass durch die Digitalisierung des Bewerbungsprozesses offene Stellen passgenauer besetzt werden können. In der IT-Branche sind es mehr als zwei Drittel.
  • Fairer: Nach Meinung der Unternehmen und Kandidaten kann der Bewerbungsprozess durch die Digitalisierung zusätzlich fairer gestaltet werden. Vier von zehn der Top-1.000-Unternehmen sind der Meinung, dass es unter Bewerbern durch die Digitalisierung des Recruiting-Prozesses weniger oft zu Benachteiligungen kommt. IT-Unternehmen sind hier sogar noch optimistischer: In der IT-Branche sind es knapp drei Viertel der Unternehmen, die an eine mögliche fairere Besetzung von offenen Stellen durch einen digitalisierten Bewerbungsprozess glauben.
Abbildung 1: Anteil an Unternehmen, die glauben, dass durch die Digitalisierung des Bewerbungsprozesses offene Stellen schneller, passgenauer und fairer besetzt werden können.
Quelle: Recruiting Trends 2020, Universität Bamberg, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik zusammen mit der Plattform monster.de ¹

Welche Tools sind also nötig, um das Recruiting schneller, passgenauer und fairer abzubilden? Grundvoraussetzung ist es jedenfalls, dass die Prozesse innerhalb der Personalabteilung, aber auch in Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen klar definiert und idealerweise bereits digital abgebildet sind. Schnittstellen müssen identifiziert und abgestimmt sein, Dokumente und Prozesse papierlos und standortunabhängig zur Verfügung stehen. Darauf kann dann weitere Software aufgesetzt werden, um konkrete Pain Points im Recruiting zu optimieren. Wie sagt man so schön – aller Anfang ist gut, und die Personaler haben den „Anfang“ hin zu einem digitalen Recruiting-Prozess bereits getan. So ist die Veröffentlichung von Werbe- und Stellenanzeigen laut einer Studie von StepStone und dem Bundesverband der Personalmanager (BPM) mit rund 40 Prozent eine relativ stark automatisierte Phase des Bewerbungsprozesses.² Es gibt aber noch deutlich Luft nach oben.

Geht dann die (natürlich) digitale Bewerbung ein, können Auswahlsysteme (teil)automatisiert prüfen, inwieweit Bewerber- und Stellenprofile zueinander passen. Das System erstellt dabei automatisch eine Vorauswahl. Sechs von zehn Top-1.000-Unternehmen und sieben von zehn IT-Unternehmen sowie ein Drittel der Kandidaten finden diese Systeme zur (teil-)automatisierten Vorauswahl gut, genutzt werden sie allerdings erst von rund 10 Prozent der Unternehmen (siehe Abbildung 2). Haben diese Systeme einmal Einzug gehalten, könnte zusätzlich künstliche Intelligenz (KI) eingesetzt werden. Diese Künstliche Intelligenz (KI) ist eine zentrale Technologie, die unter anderem die Grundlage von vollautomatisierten Empfehlungs- und Auswahlsystemen darstellt. Deren Nutzung ist allerdings noch nicht sehr weit verbreitet und wird in den meisten Unternehmen derzeit noch kontrovers diskutiert und bewertet.

Abbildung 2: Anteil an Unternehmen, die digitale Auswahlsysteme nutzen
Quelle: Recruiting Trends 2020, Universität Bamberg, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik zusammen mit der Plattform monster.de ³

Ist nun der passende Kandidat ausgewählt, soll also ein erstes Kennenlernen stattfinden. Hier wird im Vergleich von vor und nach Ausbruch der Corona-Pandemie eines ganz deutlich: Live-Video-Interviews haben sich zum zentralen Instrument für das Vorstellungsgespräch entwickelt. Anfang 2020 setzte nur gut jedes dritte Unternehmen Video-Interviews ein. Im Mai 2020 sind es dagegen bereits 60 Prozent.⁴ Ein deutlicher Zuwachs, der auf Kontaktbeschränkungen und die deutlich gestiegene Homeoffice-Quote im Zuge der Corona-Krise zurückzuführen ist. Hier lässt sich durch ein persönliches Kennenlernen per Video der Faktor Mensch also wunderbar mit modernen technischen Hilfsmitteln verbinden. Stimmen Anforderungen, Skills sowie die Sympathie mit den Anforderungen an die zu besetzende Stelle überein, kann ein Vertragsangebot erstellt werden. Dass dieses automatisiert aus den bereits vorhandenen Bewerberdaten erstellt wird und der Versand digital signiert per E-Mail erfolgt ist dabei selbstverständlich. Wenn es auch hier einen Match aus den Anforderungen des Kandidaten mit denen des Arbeitgebers gibt, ist der Weg für eine erfolgreiche Stellenbesetzung frei.

Es ist also geschafft – der passende Bewerber ist gefunden und wurde eingestellt, dank HR Software und Video-Interview mit einem gelungenen Mix aus Technologie, Automatisierung und der nötigen Prise „Faktor Mensch“.

Mehr zum Thema:

Whitepaper „Automatisierte Dokumentenprozesse im Recruiting“
Whitepaper „Mit Robotic Process Automation (RPA) HR-Prozesse automatisieren und optimieren​“


¹ ³ media.newjobs.com/id/hiring/419/page/Recruiting_Trends_2020/Studien_2020_Digitalisierung.pdf
² ⁴ stepstone.de/wissen/stepstone-bpm-digitales-recruiting/#form-12280

NEWS