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Blockchain und HR: Recruiting, Arbeitsverträge und mehr

„Die Blockchain-Technologie wird das Personalwesen transformieren“, sagt Expertin Claire Masson von der Financial Times.1 Eine Studie des Digitalverbandes Bitkom zeigt, dass bereits 27 der deutschen Großunternehmen den Einsatz der Blockchain-Technologie planen. Effizienzsteigerung und Vertrauensbildung sind dabei die entscheidenden Faktoren für den Blockchain-Einsatz.2 Glaubt man dem Trendbarometer von Gartner, wird die Technologie in 5 bis 10 Jahren ihren Durchbruch haben.3 Da lohnt es sich bereits jetzt, einen Blick auf die Möglichkeiten der neuen Blockchain-Technologie im Personalbereich zu werfen.

Einsatzbereiche in der Personalabteilung

Die Anwendungsbeispiele in der Personalabteilung sind vielseitig. Bestehende HR-Prozesse können durch die neue Technologie schneller, kostengünstiger und einfacher abgewickelt werden. Durch die Dezentralität der Blockchain-Technologie ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Für die in der HR-Abteilung eingesetzten Tools heißt das, es braucht keinen zuständigen Mitarbeiter mehr, der die HR-Software und die damit verbundenen HR-Daten seitens der IT- oder HR-Abteilung steuert und verwaltet. Die Blockchain ist ein vollkommen autonomes System, welches seinen Usern das Managen von sensiblen personenbezogenen Daten erleichtert. Interne Zielgruppen wie HRler, Führungskräfte und Mitarbeiter können innerhalb der Blockchain Daten gleichermaßen abrufen und ergänzen, was einen konstanten und einheitlichen Informationsstand innerhalb der HR-Abteilung standortübergreifend sicherstellt. Große Datenmengen werden kontinuierlich, konsistent und standortübergreifend gesammelt und analysiert. Das Nachweisen von Datenbezugspunkten lässt sich so einfacher ausmachen und mögliche Schwachstellen beispielsweise in Bewerbungs- oder Onboarding-Prozessen schneller aufspüren und beheben. Zusätzlich werden unnötige Kosten für die IT-Infrastruktur reduziert.

In der Blockchain lassen sich beispielsweise die digitalen Mitarbeiterakten aller Mitarbeiter abteilungs- und standortübergreifend verwalten und bearbeiten. Die Blockchain lässt auch externe Akteure aktiv partizipieren. So besteht die Möglichkeit, Lieferketten mit externen Dienstleistern und Partnern lückenlos und in Echtzeit zu dokumentieren und den Datenaustausch effektiver und schneller zu gestalten. Dabei herrscht ein Höchstmaß an Transparenz und Informationsgleichheit für alle Beteiligten. Alle greifen auf denselben Datenschatz zu und jeder Beteiligte wird zeitgleich über Änderungen der Daten informiert. Daten gehen so nicht mehr verloren. Das Arbeiten an einer derartigen Datenbank kann mittels Berechtigungsschlüsseln gesteuert werden. Je nach Kompetenzbereich können Daten auch nur begrenzt einsehbar gemacht werden.

Die Blockchain ersetzt eine Vielzahl an HR-Programmen und vereint HR-Daten. Auf teure und technologisch aufwendige Softwareschnittstellen kann damit verzichtet werden. Bewerbertools lassen sich so beispielsweise mit dem HCM, dem Dokumentenmanagementsystem und der Software für HR-Prozessmanagement vereinen. Die dadurch nutzbaren Synergieeffekte ersparen dem HRler unzählige Arbeitsschritte und schafft so neue Kapazitäten.

Blockchain im Recruiting

Einen konkreten Mehrwert könnte die Blockchain-Technologie in der Personalbeschaffung haben. So können beispielsweise Lebensläufe zukünftig in Form einer personalisierten Blockchain an Unternehmen übermittelt werden. Die in der Blockchain gesicherten Informationen können von Zertifikaten, Arbeitszeugnissen bis hin zu den beruflichen Stationen des Bewerbers reichen. Für einen reibungslosen Arbeitsbeginn ist es ebenfalls denkbar, dem Arbeitgeber zukünftig Dokumente wie die Geburtsurkunde oder den Sozialversicherungsausweis über die Blockchain zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig können Daten wie Berufserfahrung und Verantwortungsbereiche aus verschiedenen Plattformen zusammengeführt werden. Karriereorientierte Social-Media-Plattformen wie Xing oder LinkedIn werden dadurch überflüssig. Bewerber erteilen potenziellen Arbeitgebern ganz einfach die Erlaubnis, auf ihre Blockchain-basierten Beschäftigungsdaten zuzugreifen. Durch die hohe Datensicherheit sind Informationen zu Leistungsindikatoren wie Noten oder Arbeitszeugnisse vertrauensvoll und verbindlich. Personalabteilungen sparen sich so das Überprüfen der Berufsgeschichte, Empfehlungsschreiben und Bildungsnachweisen. Die Blockchain-Technologie hilft, den Recruitingprozess zu beschleunigen, Fehler zu minimieren und Zeit zu sparen. Der zusätzliche administrative Aufwand, der bei einer Neueinstellung anfällt, wenn es um die Identitätsverifizierung bei Banken, Krankenkassen oder Versicherungen geht, könnte durch die in der Blockchain hinterlegten und verifizierten Informationen abgeschafft werden. Die Entscheidung, wer Einblick auf derart sensible Daten bekommt, entscheidet jeder Bewerber selbst. Wenn die Daten freigegeben werden, können sich Unternehmen auf einer verlässlichen Informationsbasis ein konkretes Bild des Bewerbers machen und den Einstellungsprozess auf ein Minimum der üblichen Recruitingzeit reduzieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass kostbare Fachkräfte dann eventuell von der Konkurrenz weggeschnappt werden, sinkt dadurch erheblich.

Smart Contracts – Intelligente Verträge

Auch im Vertragswesen kann die ursprüngliche Bitcoin-Technologie den Personaler unterstützen. Sogenannte Smart Contracts, auch intelligente Verträge genannt, stellen eine funktionelle Erweiterung zu klassischen Blockchain-Systemen dar. Die smarten Verträge profitieren von den Eigenschaften der Blockchain und sind damit unveränderbar, transparent und benötigen keinen Intermediär zur Abwicklung.4

Überträgt man dieses Vorgehen auf die Personalabteilung, können sich Verträge mit Mitarbeitern, externen Dienstleistern und Partnern zukünftig quasi von selbst ausfüllen. Die Verträge werden mittels Wenn-Dann-Regeln programmiert, an Bedingungen und Handlungen geknüpft und gleichzeitig mit Daten aus dem führenden Human Capital Management System (HCM) gespeist. Wird also eine im Vertrag festgelegte Wenn-Dann-Regel durch eine bestimmte Handlung unter den festgelegten Bedingungen erfüllt, stellt das eine offene Willenserklärung zur Erfüllung des Vertrages dar. Der Vertrag aktualisiert sich damit von selbst. So hat man immer einen Überblick, in welchem Status der Vertragserfüllung sich die Beteiligten befinden. Gleichzeitig werden alle Vertragspartner in Echtzeit über die Statusänderung des Vertrages informiert. Die Vorteile, die sich aus Smart Contracts ergeben, sind offensichtlich, wenn man überlegt, welchen Interpretationsspielraum viele Verträge heute noch offenlassen. Ist der digitale Vertrag korrekt programmiert, gibt es keinen Diskussionsspielraum mehr was die Vertragsbedingungen angeht. Neben der Sicherheit und Effizienz, die die Blockchain-Technologie mit sich bringt, überzeugt vor allem die Unabhängigkeit der Vertragserstellung. Das zu Rate ziehen von Anwälten, Notaren oder Bänkern wäre hier nicht mehr nötig.5

„Bei konsequentem Weiterdenken heißt das, dass man beispielsweise keine Unterschriften mehr benötigt, weil die Dokumente in der Blockchain auf jeden Fall fälschungssicher sind.“ 

Dr. Martin Grentzer, CFO der aconso AG

Arbeitsverträge könnten demnach weltweit und mit einer Vielzahl von Mitarbeitern geschlossen werden. Für die Personalabteilung würde das vor allem eine erhebliche Reduktion der Vertragsgestaltungskosten bedeuten. Die Zeitersparnis bei inhaltlichen Vertragsverhandlungen und der Wegfall der Kontroll- und Bearbeitungskosten setzen wertvolle Ressourcen frei. Gleichzeitig wird die Fehlerquote minimiert.6

Blockchain – Revolution oder heiße Luft?

Die Höhe des Risikokapitals im Bereich der Blockchain-Aktivitäten hat 2016 weltweit einen neuen Höchststand von 1,1 Milliarden US-Dollar erreicht. Das übersteigt sogar die Entwicklungen des Cloud-Computings und des Internets in Bezug auf die Risikokapitalaktivitäten. Das Potenzial wird also durchaus erkannt. In der Umsetzung stößt die neue Technologie jedoch noch auf Skepsis und Zurückhaltung. Hier ist Mut gefragt. Auch wenn wir eben erst die Hürde der Digitalisierung gemeistert haben, ist es in Zeiten des fortwährenden Fortschritts nicht ratsam, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Wie es so schön heißt, schläft die Konkurrenz nicht. Schließlich hat die HR-Abteilung bis vor ein paar Jahren auch noch keinen Gedanken an ein papierloses Büro verschwendet und schon gar nicht an eine künstliche Intelligenz, die Abrechnung und Ablage übernimmt.

Let’s stay in a constant mindset of change – nur so verlieren wir nicht den Anschluss.

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