Motiviert Geld wirklich?

Kann Geld Mitarbeiter wirklich motivieren?

Gehaltsverhandlungen sind ein wichtiger Teil bei der Neueinstellung von Personal. In der Praxis existieren verschiedene Formen des Gehalts. Die Frage, ob der Bewerber abspringt, wenn ihm zu wenig Gehalt geboten wird, steht dabei immer im Raum. Doch ist das Gehalt wirklich der motivierende Faktor für den Bewerber, den Job anzunehmen bzw. abzulehnen? Im Jahr 1959 zeigte bereits die Theorie von Herzberg, dass die Motivation bis zu einem gewissen Gehalt steigt, danach jedoch stark variiert. Gehalt zählt nach seiner Theorie als Hygienefaktor. Das bedeutet, es verhindert die Entscheidung zur Unzufriedenheit, die positive Ausprägung trägt jedoch nicht zur Zufriedenheit bei. Kurz und knapp bedeutet das: Geld motiviert nicht.

Wie ist diese Aussage jedoch nach den neuen Ansätzen aus der Neurobiologie zu bewerten? Diese Form der Forschung ist weitaus neuer und moderner als Herzbergs Theorie aus den 50er Jahren. Durch die Erforschung des Gehirns durch bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel die funktionale Magnetresonanztomographie, ist die Motivation durch Geld weder zu bestätigen noch zu dementieren. Viel mehr hängt die Wirkung des Gehalts von verschiedenen Einflussfaktoren ab.

In welchem Zusammenhang kann Geld motivierend wirken?

Die beeinflussenden Faktoren, nach welchen das Gehalt motivierend und nicht nur befriedigend wirken kann, sind insbesondere:

  • unsere Gene,
  • unsere frühkindlichen Erfahrungen in Bezug auf Sicherheit,
  • das Verhalten unserer Vorbilder,
  • unsere allgemeine Persönlichkeit,
  • unsere Erfahrungen mit Geld,
  • das soziale Umfeld,
  • unsere Glaubenssätze.

Beispielsweise wird eine Gehaltserhöhung einen Menschen, welcher eine ängstliche Persönlichkeit, sicherheitsorientierte Eltern und positive Erfahrungen beim Sparen gemacht hat, nicht großartig motivieren. Ist der Mitarbeiter jedoch risikobereit, auf Reichtum fixiert und legt er obendrein viel Wert auf seinen Status, so ist eine Motivation durch eine Gehaltserhöhung zu erwarten.

Gibt es die perfekte Form der Entlohnung?

Diese Frage lässt sich klar mit Nein beantworten. Jedoch sollte dem Mitarbeiter eine leistungsgerechte Entlohnung und die Möglichkeit einer variablen Vergütung bei Zielerreichung angeboten werden - oder die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung nach Erbringung bestimmter Leistungen. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Positive Ereignisse schütten in unserem Gehirn bereits bei ihrer Verkündung Dopamin aus. Je höher die Wahrscheinlichkeit ist, etwas Großartiges zu erhalten, desto mehr Dopamin wird ausgeschüttet. Gibt es keine Wahrscheinlichkeit, etwas zu erreichen, oder wird diese durch negative Erfahrungen beeinflusst, so wird kein Dopamin ausgeschüttet. Gerade aus diesem Grund ist es wichtig, bei dem Bonus auf eine realistische Chance der Erreichung zu achten, ohne dass die Erreichung der Ziellinie eine Selbstverständlichkeit ist.

Wird ein Mitarbeiter, welcher seinen Bonus in den letzten beiden Jahren nicht erreichen konnte, bei der Verkündung des Bonus für das nächste Jahr mit wieder zu hoch gesteckten Zielen eher keinen Dopamin-Ausschuss haben. Bei diesem Mitarbeiter würde das Stresssystem aktiviert werden, welches ihn in eine Hab-Acht-Stellung versetzt.

Für Menschen, die durch Geld motiviert werden, bietet sich zusätzlich ein hohes leistungsbezogenes Gehalt an. Diese Form des Gehalts wird meistens im Vertrieb eingesetzt. Wichtig hierbei ist: Zu hohe Boni verfehlen das Ziel. Je mehr für den Mitarbeiter auf dem Spiel steht, desto mehr Fehler werden gemacht. Der Mitarbeiter wird von seiner eigentlichen Aufgabe abgelenkt und ein reiner Tunnelblick entsteht. Es werden nur noch kurzfristige Aktionen durchgeführt, die auf die sofortige Erreichung des Ziels abgerichtet sind. Der Raum für unkonventionelle Lösungen verschwindet. Der Mitarbeiter wird keine neuen Wege zur Zielerreichung testen und stattdessen nur noch das Altbewährte anwenden. Zusätzlich zeigen Studien, dass es in dieser Hinsicht effektiver ist, eine kleine wiederkehrende Gehaltserhöhung zu gewähren als eine einmalige hohe Prämie zum Jahresende.

Durch die heutigen Forschungsansätze gibt es viele Wege, die perfekte Gehaltsform für den Mitarbeiter zu finden. Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg. Wichtig ist zu guter Letzt die Beachtung der beeinflussenden Faktoren, um die optimale Form der Entlohnung für jeden Mitarbeiter zu finden.

 


*Teilweise aus: Schlüsselfaktor Strategisches Personalmanagement, Arne Prieß (Hrsg.), 2016, Haufe Verlag

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